Willkommen da, wo ADHS und Wechseljahre aufeinandertreffen
von Angela Hausotter
Kennst du diese Tage, an denen du morgens aufstehst, eigentlich schon müde bist, deine Jeans irgendwie anders sitzt und dein Kopf übervoll ist, obwohl der Tag gerade erst angefangen hat?
Und gleichzeitig fragst du dich:
Wo ist eigentlich die Frau geblieben, die gelacht, sich sinnlich und leicht gefühlt hat und deren Körper irgendwie alles mitgemacht hat?
Genau darüber möchte ich heute mit dir reden, denn dieses Gefühl, sich selbst plötzlich nicht mehr so richtig zu erkennen, taucht bei vielen Frauen auf und trotzdem sprechen wir erstaunlich wenig darüber.
Hilfe, wer ist die Frau da im Spiegel?
Wenn ADHS und der Beginn der Wechseljahre (Perimenopause) zusammenkommen, kann diese Frage ziemlich penetrant werden, weil sich plötzlich nicht nur dein Zyklus verändert, sondern auch Körpergefühl, Belastbarkeit, Reizempfindlichkeit und deine Lust.
Und auf einmal funktioniert das, was du jahrelang irgendwie hingekriegt hast, nicht mehr so zuverlässig wie früher. Und dieses schleichende Gefühl, dass dir die Leichtigkeit irgendwo verloren gegangen ist, fängt an.
Klar, irgendwie bekommst du es immer noch hin. Wir sind ja Weltmeisterinnen im Irgendwie-Hinkriegen.
Aber wenn du ständig nur noch funktionierst, während du innerlich längst merkst, dass alles anstrengender geworden ist, dann fühlt sich selbst ein normaler Alltag irgendwann nicht mehr normal an.
Wo das Gedankenkarussel beginnt
Genau dann beginnt oft der Selbstzweifel.
Bin ich einfach undiszipliniert?
Zu empfindlich?
Oder zu gereizt?
Einfach wenig belastbar?
Warum brauche ich plötzlich so viel Ruhe?
Und ich verrate dir etwas:
Auch ich bin diesem Club beigetreten. Ungefragt natürlich.
Plötzlich verstehen wir uns selbst nicht mehr und statt neugierig darauf zu schauen, was da eigentlich gerade in uns passiert, machen wir oft genau das, was wir über Jahre gelernt haben und leider ziemlich gut können: Wir erhöhen den Druck, reißen uns noch ein bisschen mehr zusammen und hoffen, dass wir damit irgendwie wieder bei der alten Version von uns ankommen.
Spoiler: Genau das funktioniert nicht.
Deshalb möchte ich dich heute nicht dazu einladen, dich einfach „mehr zu lieben“, sondern dazu, dich wieder zu verstehen, weil Verständnis oft viel mehr verändert als noch ein weiterer guter Vorsatz.
ADHS betrifft nicht nur Konzentration
Es geht auch darum, wie Reize bei dir ankommen, wie schnell dein System voll ist und wie gut du überhaupt bemerkst, was dein Körper gerade braucht, bevor er den Stecker zieht.
Ach ja, dann kommen die Wechseljahre und sortieren jeden Tag alles neu. Ohne Plan den du kennst. Das ist eine Kombination, über die wir mehr wissen sollten.
Lass uns mal die Lust anschauen.
Auf Knopfdruck Lust? Funktioniert für uns Frauen einfach nicht. Wenn du im Büro streit mit der Kollegin hattest, noch eine Überstunde und dann schnell einkaufen im Gedränge, schnell Essen kochen, Kinder ins Bett bringen etc. musst, das Lust, körperliche Nähe oder auch nur ein intensives Gespräch dich anstrengen statt entspannen. Dann sagt dein Körper und dein Kopf einfach: „Lass mich in Ruhe.“
Und weißt du was? Das ist pure Information.
Sie ist wichtig, denn vielleicht hat dein Tag einfach mehr Energie von dir verlangt, als du zur Verfügung hattest, und vielleicht braucht dein Körper erst einmal weniger Reize, bevor Nähe wieder möglich ist.
Lass uns anfangen, unseren Körper wieder verstehen zu lernen, anstatt ihn ständig zu beurteilen, ob er noch genauso funktioniert wie früher. Du musst deinen Körper nicht jeden Tag toll finden. Aber du darfst wieder neugierig auf ihn werden.
Was fühlt sich gut an?
Ist das gerade zu viel?
Was hat sich verändert?
Und was habe ich vielleicht als Schwäche verbucht, obwohl mein Körper mir längst versucht hat zu zeigen, dass etwas anders geworden ist?
Für mich ist das einer der spannendsten Punkte, wenn wir über ADHS und Wechseljahre sprechen, weil plötzlich aus zehn Schnipseln ein Bild entsteht:
Kopfnebel.
Reizbarkeit.
Müdigkeit.
Ein verändertes Körpergefühl.
Lust.
Und die Frage, warum plötzlich alles so verdammt anstrengend geworden ist.
Gemeinsam Lösungen finden
Ich möchte in den nächsten Wochen tiefer mit euch in diese Themenwelt eintauchen.
Keine Angst, es geht nicht darum, dir noch mehr To-dos zu geben, sondern um Wissen, das etwas verändert: Wissen bringt Verständnis zurück, nimmt Druck raus und hilft dabei, aus einem diffusen „Mit mir stimmt etwas nicht“ langsam ein viel klareres „Ah, deshalb fühlt sich das gerade so an“ zu machen.
Vielleicht ist Selbstakzeptanz eines der Geschenke dieser Phase, auch wenn es sich am Anfang wirklich überhaupt nicht danach anfühlt, denn du beginnst zu spüren, wo du dich selbst so lange übergangen hast, was du wirklich brauchst, wo deine Grenzen liegen und was du in deinem Leben nicht mehr einfach stillschweigend mittragen möchtest.
Es wird spannend. Und genau da schauen wir gemeinsam hin.
Lerne Angela hier kennen: https://www.menoklar.de